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Viel Holz vor der Hütte

Die größte Lieferung war vielleicht Holz

In einer römischen Villa denkt man bei Luxus zuerst an Marmor, Wandmalerei, Säulenhallen, Wasserbecken oder kostbare Speisen. Doch eine der wichtigsten „Lieferungen“ war vermutlich viel einfacher: Holz. Ohne Holz kein Feuer, ohne Feuer keine warme Küche, kein heißes Wasser, kein beheiztes Bad und keine angenehmen Räume in der kühleren Jahreszeit.

Wahrscheinlich wurde das Holz von den Lignatores geliefert, also den hauseigenen Forstarbeitern, die in den ausgedehnten Pinienwäldern der Sirmioinsel Holz schlugen, es spalteten, heranbrachten und der internen Verwaltung übergaben. Trotzdem musste diese Zufuhr kontrolliert werden: Welche Menge kam an? In welchem Zustand? Wohin wurde sie gebracht?

Denn frisch geschlagenes Holz war noch kein gutes Brennholz. Es musste gelagert und getrocknet werden. Gerade bei Küche, Bad und Heizungen war der Bedarf so groß, dass man nicht nur an ein paar Bündel denken darf. Bei einer Trocknungs- und Lagerungszeit von mindestens einem Jahr entstanden enorme Vorratsmengen. In Ster gestapelt hätten sie große Teile des Heizerganges zwischen Kryptoportikus und Bad sowie die langen Wände und Flächen vor den Arkadenpfeilern der Kryptoportikus füllen können.

Das verändert auch den Blick auf die Kryptoportikus. Sie war zwar groß und eindrucksvoll, aber gerade deshalb nicht automatisch eine zusätzliche unterirdische Wandelhalle. Wenn hier Brennholz gelagert wurde, wenn Stapel an den Wänden standen und Arbeitswege freigehalten werden mussten, war der Raum vor allem Teil eines wirtschaftlichen Systems.

Zu diesem System gehörte Ordnung. Man durfte nicht einfach das Holz nehmen, das vorne lag oder gerade bequem erreichbar war. Verwendet werden musste möglichst das älteste und am besten getrocknete Holz. Dafür brauchte es eine klare Lagerlogik: neue Stapel an eine Stelle, ältere an eine andere, Entnahme nach Reihenfolge, vielleicht sogar getrennte Bereiche für frischeres und gebrauchsfertiges Holz.

Holz macht deutlich, wie materiell der Alltag einer Luxusvilla war. Hinter warmem Wasser, gekochtem Essen und beheizten Räumen standen nicht nur Technik und Architektur, sondern Waldarbeit, Lagerflächen, Trocknungszeit und eine erstaunlich nüchterne Vorratswirtschaft.